{"id":759,"date":"2013-06-28T21:01:57","date_gmt":"2013-06-28T19:01:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/?p=759"},"modified":"2014-09-05T16:22:05","modified_gmt":"2014-09-05T14:22:05","slug":"uber-das-elend-der-hochschulreformen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/?p=759","title":{"rendered":"\u00dcber das Elend der Hochschulreformen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein hochschulpolitischer Rundumschlag<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nun auch in Bielefeld erfolgte Etablierung des sogenannten Hochschulrates als neuer Leitungsinstanz der Universit\u00e4t bildet nur ein weiteres Mosaiksteinchen in einem viel grundlegenderen Prozess des Umbaus der gesamten europ\u00e4ischen Hochschullandschaft. Dieser unter dem Label des \u201aBologna-Prozesses\u2019 vollzogene Umbau, f\u00fchrt dazu, dass die M\u00f6glichkeiten kritischer Wissenschaft und kritischen Studierens systematisch eingeschr\u00e4nkt werden. Dabei lassen sich die Auswirkungen der Reformen auf ganz unterschiedlichen Ebenen \u2013 auch direkt an der Uni Bielefeld beobachten. Hiervon und wie der AStA damit umgeht, sollen die folgenden Seiten han-<br \/>\ndeln.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Bologna und die Folgen\u00a0\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hochschulverwaltung orientiert sich zunehmend an \u00f6konomischen Kriterien und wird schrittweise entdemokratisiert, wof\u00fcr der Hochschulrat nur das herausstechendste und aktuellste Beispiel bildet. Waren Unis vormals staatliche Einrichtungen mit einem klaren Bildungs- und Forschungsauftrag, werden sie nun zunehmend nach unternehmerischen Kriterien gef\u00fchrt. Bei zunehmender Verknappung ihrer Ressourcen sollen sie effizient haushalten und k\u00f6nnen im Falle des Misslingens schon mal Insolvenz anmelden, also pleite gehen; Hochschulrankings werden eingef\u00fchrt in deren Folge die Gelder nicht nach Auslastung, sondern durch formale Leistungsmessung verteilt werden.<br \/>\nGenauso wird auch wissenschaftliche Forschung auf \u00f6konomische Verwertbarkeit umgestellt, wissenschaftliche Arbeitsverh\u00e4ltnisse werden prek\u00e4r organisiert und die Qualit\u00e4t der Forschung verst\u00e4rkt anhand der Quantit\u00e4t eingeworbener Drittmittel gemessen. In der Konsequenz m\u00fcssen sich Forschungsvorhaben an ihrer kurzfristigen Verwertbarkeit orientieren, um sich \u00fcberhaupt Hoffnung auf Finanzierung machen zu k\u00f6nnen. Ein Hinterfragen der Ziele oder Kritik am bestehenden Schlechten er\u00fcbrigt sich selbstverst\u00e4ndlich \u2013 Selbstreflexion? Unn\u00f6tig! Unterstrichen wird diese Tendenz noch durch eine Berufungspolitik, die kritisch orientierten ForscherInnen den Weg in die universit\u00e4ren Strukturen zunehmend verunm\u00f6glicht .<br \/>\nParallel hierzu wird das Studium durch Modularisierung stark verschult. Die Ausrichtung an berufspraktischen Ausbildungszielen und die damit verbundene Einf\u00fchrung von BA-Studieng\u00e4ngen zwingen die Studierenden, sich effizient und konzentriert an kanonisierten Wissensvorgaben zu orientieren. Studiengeb\u00fchren und versch\u00e4rfte Aufnahmeregelungen tun ihr \u00dcbriges, um selbstbestimmtes und kritisch hinterfragendes Lernen zu verhindern sowie studentische Selbstverwaltung und Selbstorganisation gravierend zu erschweren.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8230;und die Uni Bielefeld?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Politik des Rektorates an der Uni Bielefeld l\u00e4sst sich wohl am Treffendsten als \u201evorauseilender Gehorsam\u201c bezeichnen. So war die Uni Bielefeld Vorreiter bei der Umstellung des Studiums auf die BA\/MA-Struktur und hat sich bereits mit der Ausgestaltung einer Geb\u00fchrenordnung besch\u00e4ftigt, als es noch nicht einmal das Gesetz gab, welches die Erhebung von Studiengeb\u00fchren \u00fcberhaupt erlaubt.<br \/>\nGleichzeitig verfolgt das Rektorat eine Strategie der Marginalisierung und Einsch\u00fcchterung studentischer Einw\u00e4nde und Proteste gegen die Hochschulreformen. Mit dem Hochschulrat wird die bisher noch rudiment\u00e4r vorhandene Beteiligung studentischer Stimmen an der Uni-Selbstverwaltung komplett abgeschafft, so dass die Studierenden in Unibelangen \u00fcber kein institutionalisiertes Sprachrohr mehr verf\u00fcgen. Versuchen sie dennoch, sich eine Stimme zu verschaffen, m\u00fcssen sie mit Repression seitens der Unileitung rechnen. So lie\u00df diese erst j\u00fcngst die Gr\u00fcndung von Hochschulrat und des sog. Exzellenzclusters &#8222;Cognitive Interaction Technology&#8220; massiv durch den Sicherheitsdienst \u201aProdiac\u2019 und Polizei sch\u00fctzen. AktivistInnen, die sich dennoch Zugang zur eigentlich \u00f6ffentlichen Veranstaltung verschafften, um ihre Kritik am Hochschulrat h\u00f6rbar zu machen, wurde daraufhin mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch gedroht. Zahlreichen anderen wurde, teils unter Gewaltanwendung, der Zugang zur Veranstaltung im Audimax verwehrt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8230;was tut der AStA dagegen?<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">In erster Linie bem\u00fcht sich der AStA im Spiel der Gro\u00dfen ernst genommen und als Akteur wahrgenommen zu werden. So sorgt sich der AStA ohne eine grundlegende Kritik am Hochschulrat und dessen Einbettung in den neoliberal orientierten Umbau der Universit\u00e4ten zu \u00fcben, vor allem darum, in diesem Gremium, welches die Demokratie an der Uni endg\u00fcltig ins Jenseits bef\u00f6rdert auch f\u00fcr Studierende eine Stimme zu reservieren. Dass diese Forderung letztlich einer Legitimierung des Gremiums, welches entsprechend des Hochschulfreiheitsgesetzes von Universit\u00e4tsexternen dominiert wird, gleichkommt, wird dabei geflissentlich \u00fcbersehen. Die Hauptsache ist wohl &#8211; wie perspektivlos auch immer \u2013 wenigstens mit am Tisch zu sitzen, um hier und da anzumerken, dass dieses oder jenes aber nicht im Interesse der Studierenden sei. Anstatt offensiv gegen den neoliberalen Unsinn anzugehen und ihn einer massiven Kritik zu unterziehen bem\u00fchen sich der AStA und die ihn tragenden Listen also, das Spiel der Macht aus der Position des\/der ohnm\u00e4chtigen Mahner_in heraus weitestgehend mitzuspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugleich werden Initiativen, in denen sich Studierende selbst organisieren, um kritische Inhalte an der Uni zu etablieren, misstrauisch behandelt. Als besonders eindr\u00fcckliches Beispiel zur Illustration soll folgender, ebenso trauriger wie entlarvender Sachverhalt dienen: Die Antifa AG forderte f\u00fcr den aktuellen Haushalt eine Erh\u00f6hung ihres Etats, um die eigene, frei zug\u00e4ngliche Bibliothek aufstocken und eine Ausweitung ihrer Informations- und Diskussionsveranstaltungen vornehmen zu k\u00f6nnen. Daneben sollte auch noch Geld zur Erneuerung der Ausstattung bereitgestellt werden. Die AStA-Mehrheit im Stupa genehmigte einzig das Geld zur Erneuerung der Ausstattung. Im Haushalt wurde festgeschrieben, dass das zus\u00e4tzliche Geld auch nur f\u00fcr Ausstattung, nicht aber f\u00fcr B\u00fccher oder Veranstaltungen verwendet werden darf. Hier wird offensichtlich ein h\u00fcbsches Erscheinungsbild mehr Wert gesch\u00e4tzt, als die inhaltliche politische Arbeit der Antifa AG, der ganz offensichtlich mit Skepsis und Ablehnung begegnet wird.<br \/>\nDieses Beispiel ist typisch f\u00fcr eine grundlegende (schon seit Jahren stabilen) Positionierung des AStAs, der die finanziellen Spielr\u00e4ume, welche ihm durch die Beitr\u00e4ge der Studierenden zu Verf\u00fcgung stehen nicht im Geringsten ausnutzt, um selbstorganisierte, kritische Initiativen zu unterst\u00fctzen oder selber welche anzusto\u00dfen. Stattdessen werden Jahr f\u00fcr Jahr zigtausende von Euros in einen R\u00fccklagentopf\u00a0 abgelegt (in diesem Jahr 200.000 \u20ac) und angeblich f\u00fcr schlechte Zeiten gespart. Dass die Zeiten jedoch kaum mehr schlechter werden k\u00f6nnen und das Geld sicher schon vor ein paar Jahren (lange vor dem Hochschulrat) bspw. viel besser f\u00fcr machtvolle Kampagnen, Streiks und Aktionen gegen die Einf\u00fchrung von (Langzeit-)Studiengeb\u00fchren und die Etablierung neoliberaler Strukturen an der Uni angelegt gewesen w\u00e4re, wird ignoriert \u2013 womit letztlich sogar \u201aBeihilfe\u2019 zur widerspruchsfreien Durchsetzung solcher Strukturen geleistet wird.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Uns kotzt das m\u00e4chtig an!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb wendet sich :uniLinks! gegen die Politik des AStAs und pl\u00e4diert f\u00fcr eine St\u00e4rkung autonomer und selbstorganisierter Strukturen an der Uni. Wir m\u00f6chten erm\u00f6glichen, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo Eure und unsere inhaltliche Arbeit geleistet wird, dort, wo jede und jeder direkt und ohne Wahlen aktiv werden kann.<br \/>\nDamit einhergehend pl\u00e4diert :uniLinks f\u00fcr eine grundlegende Kritik von Hochschulrat und neoliberalen Reformen, anstatt diese durch das Bem\u00fchen im \u201aKonzert der Gro\u00dfen \u2019 mitspielen zu d\u00fcrfen, auch noch (ungewollt) zu legitimieren.<br \/>\nVor diesem Hintergrund h\u00e4lt :uniLinks weiter an dem Ziel einer Erweiterung herrschaftskritischer Perspektiven an den Hochschulen fest. Dazu scheint es zun\u00e4chst wichtig zu sein, die hinter den aktuellen Reformen liegende Logik als politisches Programm zu identifizieren. Dieses tritt meist im Mantel vermeintlich interessenentbundener Sachzw\u00e4nge in Erscheinung. Eine solche scheinbare Alternativlosigkeit muss in Frage gestellt werden. Hierzu sollte die Umstrukturierung der Hochschulen im gesamtgesellschaftlichen Kontext kritisiert werden. Das neoliberale Programm an den Unis macht nur Sinn, in dem es sich auf die durch den Kapitalismus notwendig hervorgebrachten\u00a0 Krisen bezieht, welche Bedingung des Programms sind. Darum kann Kritik hier ohne generelle Gesellschaftskritik nicht auskommen. Letztere wiederum sollte von kritischen Wissenschaften mit formuliert werden. Dies scheint im Interesse eines Verbleibs und Ausbaus der M\u00f6glichkeiten kritische Wissenschaften \u00fcberhaupt betreiben zu k\u00f6nnen absolut notwendig. Und hier sollten sich Studierende wie Lehrende gleicherma\u00dfen angesprochen f\u00fchlen.<br \/>\n:uniLinks! geht es mit dieser Kritik der aktuellen Hochschulreformen und der damit verbundenen Forderung eines politischen Kampfes gegen diese Reformen, wie bereits erw\u00e4hnt, nicht um eine Idealisierung alter Verh\u00e4ltnisse. Kritische Wissenschaften sowie der politische Kampf f\u00fcr ihr Bestehen sollten vielmehr als Teil eines gesellschaftlich emanzipatorischen Projekts verstanden werden. In diesem Sinne sollte die M\u00f6glichkeit der Kritik ausgebaut und mit andernorts stattfindenden sozialen K\u00e4mpfen verkn\u00fcpft werden. Auch fordern wir die Ausweitung demokratischer Verh\u00e4ltnisse an den Unis und dar\u00fcber hinaus!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/HopoRundumschlag.pdf\">Flyer<\/a><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_759 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_759')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_759').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Ihr hier klickt, wird der Button aktiv und Ihr k\\u00f6nnt Eure Empfehlung an Facebook senden. 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