{"id":691,"date":"2013-06-27T21:38:05","date_gmt":"2013-06-27T19:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/?p=691"},"modified":"2014-09-05T16:22:35","modified_gmt":"2014-09-05T14:22:35","slug":"heft-zur-qual-erbrochenes-zum-thema-bildungs-und-hochschulpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/?p=691","title":{"rendered":"Heft zur Qual: erbrochenes zum thema bildungs- und hochschulpolitik"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"documentDescription\">prolog: in den letzten jahren war von der gruppe :uniLinks! zum thema bildungs- und hochschulpolitik im wesentlichen nur der satz zu lesen &#8222;alle sind gegen studiengeb\u00fchren &#8211; wir denken noch nach&#8220;. was nach au\u00dfen provokant, fragw\u00fcrdig oder gar d\u00e4mlich wirken mochte, gr\u00fcndete sich in unserer \u00fcberzeugung, dass wir uns diesem themenkomplex nicht ganz so leicht n\u00e4hern k\u00f6nnen, wie das bei den anderen listen der fall zu sein scheint.<\/h2>\n<div class=\"plain\" style=\"text-align: right;\">\n<p align=\"justify\">mit den immer gleichen, unreflektierten und floskelhaften paraphrasen wird dort eine gebetsm\u00fchle befeuert und den vollendeten tatsachen der realtistischen &#8222;reformpoltik&#8220; nur das traute gepl\u00e4nkel mit den demokratiekritikerInnen des rektorats, der gr\u00fcnen oder der spd entgegen gehalten. dass sich die &#8222;gro\u00dfe&#8220; politik um (die) argumente (der studentInnen) scherte, ist jedoch illusion\u00e4r; dies zu glauben, grenzt an die naivit\u00e4t, die stets der radikalen linken vorgehalten wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">was bleibt bei all den hochschulgruppen von gr\u00fcn- bis rot- und gelbgemisch ist der versuch, der von anderen bestimmten entwicklung hinterher zu hecheln, dabei zu konservieren, was zu schlucken ist, und in der konsequenz studentischer privilegiensicherung die allererste priorit\u00e4t zuzusprechen. da schlie\u00dft sich die frage an, ob sich da nicht so mancheR ganz gut eingerichtet hat in den p\u00f6stchen und karrierenischen der studentischen sandkastenverwaltung, in der das politische sich &#8211; so seltenerweise \u00fcberhaupt vorhanden &#8211; im kampf um den so behaglichen status quo ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p align=\"justify\">bisher sind wir also &#8211; geneigte leserInnen m\u00f6gen es uns nachsehen &#8211; vor der komplexit\u00e4t des unterfangens abgeraucht und haben mit dem eingangs zitierten spruch den einfachen weg der provokation gew\u00e4hlt. einen moment des nachdenkens haben wir uns damit ausgebeten &#8230; nun erz\u00e4hlen wir, wie weit es ist gediehen.<\/p>\n<p><b>trendige euphemismen #1:<\/b><\/p>\n<h3>studienkonten, bildungsgutscheine, voucher-modell<\/h3>\n<p align=\"justify\">unseres erachtens ist das aktuelle system der bildungsfinanzierung bestenfalls unter einfluss harter drogen als irgendwie positiv zu bezeichnen. vor dem hintergrund unseres steuersystems finanzieren &#8211; grob vereinfacht &#8211; eher &#8222;bildungsferne&#8220; schichten die (aus-) bildung der menschen an den schulen und hochschulen. das ist derart unhaltbar, dass es f\u00fcr die geschmackssicheren vision\u00e4rInnen des &#8222;ring christlich demokratischer studeure&#8220; (o.s.\u00e4., rcds) ein grund &#8211; nein: der grund &#8211; ist, mit Vehemenz gegen studiengeb\u00fchrenmodelle zu vo(l)tieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">obwohl es reizt, das gegenteil des rcds zu fordern, k\u00f6nnen auch wir nicht einfach sagen: &#8222;ran an die b\u00f6rsen der superreichen studies, her mit deren studiengeb\u00fchren&#8220;, denn die dadurch verst\u00e4rkte elternabh\u00e4ngigkeit beeintr\u00e4chtigt oftmals die eigenverantwortliche wahl von bildungsbiografien.<\/p>\n<p align=\"center\">dilemma, ick h\u00f6r dir trapsen<\/p>\n<p align=\"justify\">das versprechen einer unter politischen gesichtspunkten annehmbaren also gerechten bildungsfinanzierung in diesem (steuer-| erbschafts-|kapitalistischen|&#8230;) system ist schlicht eine m\u00e4r. was bleibt, ist die forderung nach reflektierter debatte \u00fcber bildungsfinanzierung mit der offenheit f\u00fcr echte konsequenzen. ein klares nein zu den finanzierungsmodellen, die derzeit nassforsch diskutiert werden, ist da naturellement(?) eingeschlossen.<\/p>\n<p><b>trendige euphemismen #2:<\/b><\/p>\n<h3>ausbildung, praxisorientierung<\/h3>\n<p align=\"justify\">ersteres ist in seiner urspr\u00fcnglichen bedeutung eher eine korrekte bezeichnung denn ein euphemismus. schlie\u00dflich geht&#8217;s im unterschied zum aktivischen &#8222;sich bilden&#8220; beim &#8222;ausgebildet werden&#8220; genau um pr\u00e4gung von aussen zu einem f\u00fcr das aussen &#8222;nutzbaren&#8220; zustand. was zweiteres als waschechten euphemismus ins licht r\u00fcckt.<\/p>\n<p align=\"center\">being a speckstein<\/p>\n<p align=\"justify\">ausbildung zu wollen, ist nicht verwerflich, zumal was abf\u00e4llt, dh. sich damit einkommensm\u00f6glichkeiten verbinden. hier jedoch die pers\u00f6nliche wahl zu verwehren und bildung durch verschulung der universit\u00e4ren studieng\u00e4nge zu erschweren, ist nicht nur politisches ziel sondern die weitere einschr\u00e4nkung eines menschenrechts.<\/p>\n<p><b>trendige euphemismen #3:<\/b><\/p>\n<h3>drittmittel<\/h3>\n<p align=\"justify\">diese seien &#8211; dem rektorat sei&#8217;s gel\u00e4utet und geklingelt &#8211; besser betitelt als &#8222;finanzierung von auftragsforschung&#8220; und in diesem sinne pr\u00e4destiniert f\u00fcr die inhaltliche und publikatorische einflussnahme eben der auftraggeberInnen. hier \u00fcbertriebenen altruismus zu unterstellen, w\u00e4re blanke realit\u00e4tsverweigerung &#8211; da reden wir doch lieber von ergebnisorientierter verwertbarkeitslogik.<\/p>\n<p align=\"center\">huhn oder ei?<br \/>\nforschung oder ergebnis?<\/p>\n<p align=\"justify\">eigentlich eine sache, f\u00fcr die sich eine unternehmensinterne forschungsabteilung anb\u00f6te, die sich zur personalakquise der immensen menschenmenge bediente, der der zugang zum ersten arbeitsmarkt verwehrt ist.<\/p>\n<p><b>trendige euphemismen #4:<\/b><\/p>\n<h3>sponsoring<\/h3>\n<p align=\"justify\">dass in den h\u00f6rs\u00e4len in zukunft werbewirksames zu h\u00e4ngen k\u00e4me, sei doch gar nicht zu verurteilen, war schon bei der einf\u00fchrung der &#8222;marketing&#8220;-tafeln auf der seminarraumebene aus dem rektorat zu h\u00f6ren. schie\u00dflich m\u00fcssten &#8222;die&#8220; daf\u00fcr ja zahlen; mehr geld &#8211; bessere lehre. dass die penunzen ohne gegenwert flie\u00dfen w\u00fcrden, glaubt wohl niemand, schlie\u00dflich wird mit der werbung ja etwas &#8222;bekannt gemacht&#8220;; mehr bekanntheit &#8211; bessere bilanzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">dass aber der zu &#8222;promotende&#8220; inhalt zumindest nicht mit einem f\u00fcr das unternehmen negativen inhalt der lehrveranstaltung vermittelt werden kann, scheint keineN derer zu bedr\u00fccken, die sich sooo viele sch\u00f6ne sponsoring-euren ausmalen. da sei nur nebenbei erw\u00e4hnt, dass die uni sich bei den verhandlungen zu den angesprochenen werbetafeln selbst in monet\u00e4rer logik hat sagenhaft \u00fcber den tisch ziehen lassen.<\/p>\n<p><b>trendige euphemismen #5:<\/b><\/p>\n<h3>green card, zuwanderungsgesetz<\/h3>\n<p align=\"justify\">so passen auch diese legislativen schnellsch\u00fcsse trefflich ins konzept der bildungspolitik. unter der pr\u00e4misse der wirtschaftlichen einsetz- bzw. verwertbarkeit werden die menschen in &#8222;willkommene&#8220; und abzulehnende selektiert. hier entscheidet &#8211; wie zuhaus erst angestrebt &#8211; eben die &#8222;genossene&#8220; ausbildung, ob ein mensch die festung europa erklimmen darf.<\/p>\n<p align=\"justify\">f\u00fcr die glasklarheit: wer hier unterstellt, wir s\u00e4hen die einwanderung irgendwelcher menschen kritisch oder ablehnend, irrt gewiss. grenzen auf f\u00fcr alle. epilog verflucht! ein gr\u00e4uslich bild, das sich entfaltet: im schweinsgalopp ins kapitalistische &#8211; nein, nicht das buh-wort? dann: neoliberale &#8211; paradies.<\/p>\n<p align=\"justify\">auf den mit hei\u00dfer feder gestrickten fahnen verbal-opponierender hochschulgruppen verspr\u00fcht so mancher phate gemeinplatz im gewande des widerst\u00e4ndigen geh\u00f6rig publizistischen charme &#8211; doch was bleibt ist nur das sch\u00f6ne wort. achso, das ist ja marketing.<\/p>\n<p><b>angepasst sind<br \/>\nschon die anderen<\/b><\/div>\n<div class=\"plain\" style=\"text-align: right;\"><\/div>\n<div class=\"plain\" style=\"text-align: left;\">\n<h3>backmatter<\/h3>\n<p align=\"justify\">wir haben den anspruch auf vollst\u00e4ndigkeit bei der aufz\u00e4hlung trendiger euphesmismen aus dem bildungsbereich vollkommen aufgegeben. wenn euch also noch einer einf\u00e4llt (&#8222;credit points&#8220;, &#8222;profilbildung&#8220;, &#8230;), schreibt uns, was er wirklich bedeutet (unilinks@netz-kasten.de). die sch\u00f6nsten weil schrecklichsten werden ver\u00f6ffentlicht. und der allerschrecklichste weil sch\u00f6nste l\u00e4dt ein zu einem gemeinsamen abend im studierendenparlament der uni bielefeld. wer k\u00f6nnte widerstehen?<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_691 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_691')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_691').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Ihr hier klickt, wird der Button aktiv und Ihr k\\u00f6nnt Eure Empfehlung an Facebook senden. 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