{"id":319,"date":"2013-04-11T23:01:04","date_gmt":"2013-04-11T21:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/new.unilinks.info\/blog\/?p=319"},"modified":"2014-09-05T16:25:13","modified_gmt":"2014-09-05T14:25:13","slug":"total-normal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/?p=319","title":{"rendered":"TOTAL NORMAL"},"content":{"rendered":"<p><strong>von unterschieden, unterscheidungen und dem bekannten bielefelder historiker hans-ulrich wehler.<\/strong><\/p>\n<p>den anlass der folgenden zeilen bilden zwei beobachtungen. die erste l\u00e4sst sich aufeinen ganz bestimmten ort und zeitpunkt datieren. gemeint ist die vollversammlung<\/p>\n<p>der studierenden im audimax am 11. juni. dort durften auch die zur stupawahl antretenden listen ihre meinung zu studiengeb\u00fchren kundtun. was auffiel waren allerdings<br \/>\nnicht etwa besonders differenzierte positionierungen zu dem thema, sondern vielmehr, dass auch aus den sich in irgendeiner hinsicht als emanzipatorisch verstehenden<br \/>\nlisten, die dort sprachen, ausschlie\u00dflich m\u00e4nner ans rednerpult traten (so etablierten sie dann auch das rednerpult als solches. als rednerinnenpult war es offensichtlich<br \/>\nnicht vorstellbar). nur zufall? wohl kaum. die beobachtete tatsache erscheint vielmehr als ausdruck patriarchaler strukturen, die sich durch die gesamte gesellschaft, und damit auch durch die uni und deren studentische vertretung ziehen. dass frauen nur einen verschwindend geringen prozentsatz der professuren in deutschland innehaben, ist nur ein weiterer allgemein bekannter ausdruck dieser strukturen.<br \/>\ndie zweite beobachtung (formuliert aus der privilegierten position einer &#8218;wei\u00dfen mehrheitsdeutschen person&#8216;) bezieht sich auf die verteilung der (arbeits-)rollen in der<br \/>\nuni. beim schlendern durch die unihalle, kaffeetrinken an einer der stehcafeten und dem anschlie\u00dfendem gang auf die toilette l\u00e4sst sich eine feststellung gar nicht vermeiden. die soziale ordnung, die den raum universit\u00e4t grundlegend strukturiert ist nicht nur eine geschlechtliche, sondern in gleichem ma\u00dfe ebenso eine rassistische.<br \/>\nwer schlendern darf und wer die dreckigen spuren hinterher beseitigt, wer den kaffee bestellt und wer hierzu in die rolle der servicekraft schl\u00fcpft, wer unbedacht auch<br \/>\nmal ein paar spuren im klo hinterlassen kann und wer diese dann wieder beseitigt entscheidet sich zu einem hohen anteil entlang &#8218;rassisch&#8216; verfestigter kriterien.<\/p>\n<p><b>exkurs:<\/b> <i>um missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. die begriffe \u201arassisch\u2019 und \u201arasse\u2019 werden hier nicht als kategorien verstanden, die menschen biologisch nach rassen unterscheiden. vielmehr soll damit zum ausdruck gebracht werden, dass &#8218;rasse&#8216; als soziale\u00a0 kategorie unterschiede zwischen menschen herstellt, naturalisiert und damit auch die gesellschaft in hohem ma\u00dfe strukturiert. somit soll der begriff direkt auf die struktur des rassismus zielen, auch wenn dieser den begriff der &#8218;rasse&#8216; nicht selber verwendet, aber dennoch genau nach dieser kategorie menschen und ihre chancen an gesellschaftlicher teilhabe (vor-)sortiert.<br \/>\n<\/i><\/p>\n<p>die beispiele zeigen, dass die uni ein rassisch und geschlechtlich strukturierter raum ist, in dem sich patriarchale, rassistische und (post-)koloniale herrschaftsmechanismen &#8211; wie auch an anderen orten der gesellschaft &#8211; fortw\u00e4hrend (re-)produzieren. gleichzeitig bilden diese unterscheidungen keine nat\u00fcrlichen unterschiede ab, sondern produzieren diese erst machtvoll. damit geht aber auch eine invisibilisierung der sozialen verfasstheit der genannten strukturen einher, die dikursiv naturalisiert werden. :uniLinks! m\u00f6chte an dieser stelle in erster linie auf diese allt\u00e4glichen unterscheidungslinien aufmerksam machen und somit zu deren sichtbarwerdung beitragen. f\u00fcr die m\u00e4nnlich privilegierten mehrheitsdeutschen, wei\u00dfen studierenden bedeutet dies, sich der eigenen \u201aherrschaftsposition\u2019 bewusst zu werden und diese zu problematisieren. ebenso unterst\u00fctzt :uniLinks! den erhalt, ausbau und die aneignung selbstbestimmter r\u00e4ume in der uni und anderswo, welche schutz vor permanenter diskriminierung bieten und selbstorganisierung sowohl erm\u00f6glichen als auch erfolgreiche k\u00e4mpfe institutionell ausdr\u00fccken. :uniLinks! lieb\u00e4ugelt au\u00dferdem mit der (weiteren) etablierung und durchssetzung postkolonialer theorie sowie dekonstruktiver sichtweisen auf geschlecht und rasse an den universit\u00e4ten.<br \/>\ndamit wendet sich :uniLinks! gleichzeitig entschieden gegen angriffe auf diese ans\u00e4tze, wie sie sich beispielsweise in einem j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten aufsatz des bekannten<br \/>\nbielefelder historikers hans-ulrich wehler finden<sup>1<\/sup>. dort schreibt er beispielsweise, dass in den deutschen kolonien die arbeitspolitik nicht anders gekonnt habe &#8222;als die<br \/>\neinheimischen in einem langwierigen disziplinierungsprozess an regelm\u00e4\u00dfige arbeit im europ\u00e4ischen sinn zu gew\u00f6hnen&#8220; und kritisiert weiter die &#8222;modestr\u00f6mung der<br \/>\n&#8218;postkolonialen Studien'&#8220;. dass er dabei den wei\u00dfen, kolonialen blick und koloniales denken fortschreibt, merkt er nicht &#8211; oder er will es nicht. gegen solche denkweisen<br \/>\ngilt es innerhalb und au\u00dferhalb der uni zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><sup>1 <\/sup>hans-ulrich wehler: transnationale geschichte &#8211; der neue k\u00f6nigsweg historischer forschung? in: gunilla budde u.a. [hg&#8217;in]: transnationale geschichte. themen, tendenzen und theorien. g\u00f6ttingen 2006, s. 161-174.<\/p>\n<p><strong>Den Flyer zum Download gibt es <a href=\"https:\/\/www.unilinks.info\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/totalNormal_uniLinks_gegen_wehler_2007.pdf\">hier<\/a><\/strong><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_319 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_319')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_319').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Ihr hier klickt, wird der Button aktiv und Ihr k\\u00f6nnt Eure Empfehlung an Facebook senden. 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